Therapie von Bindungs- und Entwicklungstraumen / NARM  

Viele Menschen haben traumatische Erfahrungen in der frühen, späteren Kindheit oder während der Pubertät mehr oder weniger dramatisch erlebt. Das beeinträchtigt unsere Lebendigkeit. Darauf beruhen die meisten psychischen und körperlichen Probleme. Die Fähigkeit mit uns selber und anderen wirklich im Kontakt zu sein, ist dabei eingeschränkt.

NARM kommt aus den USA, übersetzt in deutscher Sprache: Neuroaffektives Beziehungsmodell. NARM ist vor allem eine auf körperlichen Grundlagen basie­rende Psychotherapie. Sie hilft dysfunktionale Anteile (Überlebensmechanismen) wahrzunehmen, ohne dass diese zum Hauptthema der Therapie werden.

NARM basiert wie Somatic Experiencing (SE) auf der körperlichen Erkundung, d.h. auf den Erkenntnissen, die Peter Levine (Begründer von SE) über die Zusammenhänge von Nervensystem, Körper, Emotion und Psyche gewonnen und methodisch verarbeitet hat. Somatic Experiencing behandelt Schocktraumata, wie Unfälle, Krieg, schwere Krankheiten, Verluste, Gewalt, Nahtoderfahrungen.
NARM ist methodisch ähnlich, jedoch erweitert um psychodynamische und tiefenpsychologische Aspekte und behandelt Bindungs- und Entwicklungstraumata, die vor allem in den ersten Lebensjahren entstehen. NARM ist  eine aus Somatic Experiencing entwickelte eigenständige Methode.

Laurence Heller, der Begründer dieser Methode, hat herausgearbeitet, welche Auswirkungen frühe Traumen auf die weitere Entwicklung bei Menschen haben:

  • Sie reagieren hochsensibel und empfindlich auf andere Menschen und äußere Reize, und werden häufiger davon überflutet

  • Sie entwickelten kein gesundes Selbstwertgefühl, sondern leiden unter Minderwertigkeitsgefühlen

  • Ihre persönliche Identität ist durch ein negatives Selbstbild verzerrt 

  • Sie geben Gefühlen von Scham und Schuld viel Macht über ihr Leben

  • Sie sind anfällig für psychosomatische Krankheiten und Depressionen

  • Sie verurteilen sich selber chronisch und ziehen sich häufiger zurück

Das Verfahren betont unsere Stärken, Fähig­keiten und unsere Resilienz. NARM setzt grundsätzlich an der Regulierung des Nervensystems an. Ein großer Fokus von NARM liegt auf den fünf Grundbedürfnissen des Menschen in Beziehung zu sich und mit anderen. Werden diese Bedürfnisse in der kindlichen Entwicklung nicht gestillt entstehen Bindungs- und Entwicklungstraumen (s.o.). 

Die fünf Grundbedürfnisse des Menschen

1. Kontakt mit dem Körper 

Der "Kontakt-Typ" lernt zu sehen, wie sehr er sich isoliert und wie wenig er wirklich lebt. Er lernt die eigenen Bedürfnisse und aggressiven Gefühle anzuerkennen und beginnt mehr in seinem Körper zu leben.  ​

2. Einstimmung (Bedürfnisse erkennen und äußern) 

Der "Einstimmungs-Typ" lernt, wie er seine eigenen Bedürfnisse leugnet und ablehnt und anderen das gibt, was er eigentlich für sich haben möchte. Wobei er selbst auf der Strecke bleibt. Er lernt, ein Gespür für seine Bedürfnisse zu bekommen, sie zu äußern

und zuzulassen, das sie erfüllt werden. ​

3. Vertrauen 

Der "Vertrauens-Typ" erkennt, inwiefern er nicht nur andere verrät, sondern auch sich selbst. Er gibt sein Bedürfnis nach Kontrolle auf und lernt, um Hilfe und Unterstützung  zu bitten und eine gesunde wechselseitig Abhängigkeit zu erlauben.   ​

4. Autonomie

Der "Autonomie-Typ" lernt zu sehen, wie sehr sich selbst ständig unter Druck setzt und bewertet. Durch eine wachsende Fähigkeit zum Selbstbezug lernt er, seine eigene Autorität zu stärken und angemessene Grenzen zu setzen. 

5. Liebe/Sexualität

Der "Liebe-Sexualitäts-Typ" erfährt, wie sehr seine Selbstakzeptanz von Aussehen und Leistung abhängig war. Er lernt sein Herz zu öffnen und Liebe und eine lebendige Sexualität zusammenzubringen.  ​

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NARM ermöglicht Nachreifung, Selbstregulierung, Identitätsfindung, Selbstachtung, Selbstliebe, Lebendigkeit und zunehmende Beziehungsfähigkeit.

In der praktischen Arbeit lernen sie mit NARM das Anspannungsniveau, die Gefühle und die Bindungsdynamiken miteinander zu verbinden und zu regulieren. Sie erlernen differenziert ihre Gefühle und Bedürfnisse wahrzunehmen. Dadurch erweitern sie ihre bisher einengenden Beziehungs- und Bindungsdynamiken. Sie lernen dabei offen ihre Beziehung zu sich und ihren Mitmenschen zu gestalten.

Die Entwicklung ihrer Kontaktfähigkeit zu sich selber und anderen ist bei NARM der zentrale Aspekt. 

„Die spontane Bewegung in uns allen zielt auf Kontakt. Gleich wie zurückgezogen und isoliert wir sein mögen, ungeachtet der Schwere des Traumas, das wir erlebt haben, gibt es – gerade so, wie eine Pflanze sich spontan auf die Sonne zubewegt – in jedem von uns auf der tiefsten Ebene einen Impuls in Richtung Verbundenheit.“

Dr. Laurence Heller, Begründer von NARM
"Unsere Aufgabe ist es nicht nach Liebe zu suchen, sondern lediglich all die Barrieren in unserem Selbst zu suchen und zu finden, die wir dagegen aufgebaut haben" Rumi 

"Trauma ist nicht das, was dir passiert. Trauma ist das, was in dir passiert, als folge dessen, was dir passiert ist." Gabor Mate

Bücher dazu: Entwicklungstrauma heilen und Schuld und Scham (neuestes Buch und sehr praxisnah), Laurence Heller.