Ego-state-Therapie / Innere-Kind-Arbeit 

Die Ego-State-Therapie geht von einem mehrteiligem Selbst aus. Es entsteht durch die verschiedenen Erfahrungen im Leben. Grundsätzlich gehören dazu die schönen (Ressourcen), die schwierigen Erlebnisse wie Traumata/Mikrotraumata und wie man es geschafft hat damit umzugehen. Die Ego-State-Therapie versucht, die einzelnen Ich-Anteile durch Aufbau einer wertschätzenden Beziehung zu ihnen und ihre Vernetzung miteinander, in einem inneren Team zu integrieren.

Ego-States (Ich-Anteile) sind kreative Entwicklungen der Persönlichkeit.  Jeder Ich-Anteil besitzt seine eigenen Gefühle, Körperempfindungen, Erinnerungen, Phantasien und Verhaltensweisen, sowie auch eigene Wünsche, Träume und Bedürfnisse. Ressourcen-orientierte Anteile s.u. fühlen sich lebendig, offen und warm an. Wenn diese Ich-Anteile zugänglich sind, kann man rasch auf die Erfüllung wichtiger Grundbedürfnisse zurückgreifen. Und mit Geborgenheit, Sicherheit, Urvertrauen, innere Stärke etc. in Kontakt kommen.

Dekonstruktive Anteile s.u. kann man als Bewältigungsmechanismen von schwierigen Erlebnissen sehen. Dank Ihnen hat der Mensch es geschafft, mit noch so widrigen Umständen im Leben zurechtzukommen. Dekonstruktive Anteile beschützen verletzte Anteile (oft ein verletztes inneres Kind) s.u., die durch vergangene Traumata/Mikrotraumata entstanden sind.

Häufig werden dekonstruktive und verletzte Anteile im Hier und Jetzt "getriggert". Es kommt dabei zu einer reaktiven Auslösung von Gefühlen, Empfindungen, Verhalten etc. auf momentane Erlebnisse, die einem früheren Trauma/Mikrotrauma ähneln. Ein erwünschtes und angemessenes Befinden oder Verhalten kann dann vom eigenen Erwachsenen-Ich kaum noch gestaltet werden. Im Innern werden diese Anteile allerdings aus gutem Grund als notwendige Realität erlebt. Häufig erlebt der Mensch dabei auch einen Leidensdruck. 

Bei sehr schweren Traumata kann das Verhalten des jeweils anderen Teil-Ichs entweder nicht oder nur schemenhaft erinnert werden. Oder sogar als das Handeln einer fremden Person erlebt werden.

In der Teilearbeit geht es nicht darum, destruktive Ich-Anteile zu entsorgen. Das zu tun kommt dem Versuch gleich, ein anerkennenswertes Bedürfnis löschen zu wollen, wie z. B. Geborgenheit oder Sicherheit. Vielmehr ist das Ziel in der Ego-State-Therapie diesen Ich-Anteilen zu helfen, neue Kreativität und Strategien/Verhalten zu entwickeln, um die Grundbedürfnisse im Leben besser und angemessener erfüllen zu können. Die Ich-Anteile werden im Prozess verstanden und gewürdigt, und es werden ihnen auch Grenzen gesetzt. Durch dieses "Gesehen-werden" beginnen sie sich wie von selbst weiterzuentwickeln. Mithilfe der Teilearbeit werden die Persönlichkeitsanteile integriert und die Zusammenarbeit unter ihnen gestärkt. Zusammen mit dem beobachtenden Erwachsenen-Ich wird ein bewusstes Unterstützer-System aufgebaut. 

Insgesamt könnte man das Ziel vereinfacht auch so benennen: ein "Update zu machen." Damit reagiert das innere System weniger auf alte Ereignisse, und kann somit im Team im Hier und Jetzt angemessen agieren.    

Wie oben erwähnt, unterscheidet man grundsätzlich drei unterschiedliche Ego-States Kategorien:

  1. Ressourcen-orienterte Anteile: diese Ich-Zustände zeichnen sich vor allem durch ihren verbindenden Charakter aus. Zudem können diese Ich-Anteile in der Therapie auch als Ko-Therapeuten einbezogen werden. Drei Arten dieser ressourcenorientierten Ego-States sind: innere HelferInnen, achtsame Beobachter und Anteile der inneren Stärke. 

  2. Verletzte Anteile: In der Therapie sind das die leidtragenden Ich-Zustände. Auch diese Ego-States sind prinzipiell konstruktiv. Sie wollen gehört und verstanden werden. Solange das nicht geschieht, entwickeln sie eine noch stärkere Angstsymptomatik oder noch stärkere Depressionen. Dazu gehört vor allem das verletzte innere Kind. Man nennt dies nach St. Stahl ("Das Kind in Dir muss Heimat finden")  auch das Schattenkind. Ein ressourcen-orientiertes inneres Kind nennt man das Sonnenkind.

  3. Dekonstruktive Anteile: Das sind Ich-Zustände, die sich in unserem inneren System nachteilig auswirken. Der innere Kritiker und die inneren Antreiber sind Namen für Teile, die dieser Kategorie zuzuordnen sind. Sie wollen vor allem in ihrer Leistung und ihrem Schutzmechanismus gewürdigt und gesehen werden (auch wenn das im Prozess anfangs schwer fällt zu sehen.) Bei schwerem Traumata können allerdings noch weitaus destruktiver wirkende Persönlichkeitsanteile auftauchen. Typische Themen von inneren Kritikern sind Verbote, gesellschaftliche Normen, Perfektionismus und daraus abgeleitete Abwertungen.

Therapiemethoden wie die systemische Hypnotherapie, das therapeutische Modellieren, die Gestalttherapie und die systemische Aufstellung arbeiten häufig mit diesen verschieden Ich-Anteilen.  

"Es ist nie zu spät für eine glückliche Kindheit" Erich Kästner

 

"Das menschliche Dasein ist ein Gasthaus. Jeden Morgen ein neuer Gast. Freude, Depression und Niedertracht-

Auch ein kurzer Moment von Achtsamkeit kommt als unverhoffter Besucher. Begrüße und bewirte sie alle." Rumi